Fotogalerie wheels of change
Eine Ausstellung spektakulärer Fahrräder im Gemeindemuseum Absam




wheels of change
Fahrräder im Gemeindemuseum Absam erzählen nicht nur Technikgeschichte

Im Juni 1908 gründete eine Gruppe junger technikinteressierter Männer im Gasthof Aufschneiter (der spätere Kirchenwirt und heute das Gemeindemuseum) den Radfahrer Club Absam. Dass es ein Club und noch kein Verein war, verweist auf das Ursprungsland des modernen Fahrrades – auf England.

Dort stellten ehemalige Nähmaschinenfabrikanten um 1890 die ersten serientauglichen so genannten Niedrig-Räder her. Feinmechanik und die Rollenkette waren die Voraussetzung für die paradoxe Maschine Fahrrad, die auf dem Prinzip des dynamischen Gleichgewichts beruht: Stabilität – das Fahren ohne umzufallen – stellt sich ja am Fahrrad erst in der Bewegung ein – das Rad ruht nur in der Bewegung im Gleichgewicht.

Ein weiteres wichtiges Element der modernen Maschine Fahrrad war Ende des 19. Jahrhunderts, dass es das erste Verkehrsmittel war, das Selbstbestimmung – heute würde man sagen Mobilität – zugelassen hat. Während man in der Eisenbahn nur Gepäck war (so hat es einer der zahlreichen Befürworter des Fahrrades 1895 polemisch ausgedrückt), konnte man mit dem Rad individuell reisen.

Und ein Blick auf das Metallschild, das im Sommer 1908 für den Fahrrad Club Absam gemalt wurde – ein begeisterter junger Mann beschleunigt Staub aufwirbelnd und das Dorf hinter sich lassend sein Rad in den Absamer Feldern –, zeigt, mit welcher Reiselust das Radfahren verbunden gewesen sein muss.

Neben der Reiselust hat das Fahrrad aber auch Experimentierlust immer wieder anregt – das sieht man den derzeit im Gemeindemuseum Absam ausgestellten Räder des Wiener Designers und Architekten Michael Embacher auf den ersten Blick an.

So zeigen diese Räder, dass im 20. Jahrhundert nicht nur das Auto einen typisch französischen, italienischen oder englischen Zuschnitt haben konnte, sondern auch Fahrräder.

Französischer Luxus auf einem »Mercier«-Rad aus dem Jahr 1950 bedeutete: Kotflügel im Wellen-Design, eine durch das Vorderrad angetriebene Glocke, zwei Scheinwerfer vorne und zwei Trinkflaschen … und alles aus Aluminium gefertigt.

Aber auch beim bereits 1937 gebauten »Funicolo« hatte der französische Konstrukteur Jacques Schulz seiner Extravaganz freien Lauf gelassen. Er hatte praktisch jedes Detail seines Tourenrades neu erfunden, weshalb aus jedem Blickwinkel noch nie gesehenen Details aufblitzen: Die vordere Bremse ist auf unglaubliche Art um die Ecke gedacht, die hintere wird über zwei Seile betätigt, und die Luftpumpe ist unsichtbar im Rahmen versenkt.

Auf liebevoll ausgeführte Ausstattungsdetails kann dagegen das italienische »Rigi bici corta« (bici corta = kurzes Rad) verzichten. »Made in Italy« als Statement. Die Rennmaschine hat einen edel glänzenden Edelstahlrahmen, dessen Sattelrohr elegant geteilt ist, damit es dem Hinterrad nicht im Weg steht. Das bici corta kann somit um sechs Zentimeter kürzer sein als konventionell gefertigte Rennräder und verspricht perfekte Wendigkeit beim Zeitfahren und souveräne Fahreigenschaften bei Bergrennen.

Dass man in Italien experimentierfreudig ist, zeigt aber auch das »Bianchi C-4 Project« aus dem Jahr 1987, dessen Form aus einem Comic stammen könnte. Der Carbon-Rahmen wirkt wie organisch gewachsen, fließend und muskulös. Schon 1987 konnte das Bianchi-Team mit diesem Rad der Zukunft beim Giro d'Italia antreten und war mit der hohlen Carbonstruktur auf zwei Rädern seiner Zeit weit voraus.

Dass das Fahrrad auch Stardesigner zum Nachdenken gebracht hat, zeigt das »Zoombike« von Richard Sapper, der weltweit mit seinem Alessi-Teekessel und einer Kaffeemaschine bekannt geworden ist. Für sein Fahrrad mit dem programmatischen Namen »Zoombike« hat er zehn Jahre den öffentlichen Verkehr in Großstädten studiert. Das Aluminium-Klapprad sollte in Kombination mit Bus oder Bahn die Mobilität der Stadtbewohner beschleunigen.

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis 15. Jänner geöffnet. Wer nach dem Schisport in den Weihnachtsferien Erinnerungen an den Radsommer auffrischen will, kann die Ausstellung von Montag, 26. bis Freitag, 30. Dezember täglich zwischen 17 und 20 Uhr besuchen. Die Führungen an diesen Tagen finden um 18.00 Uhr statt. Führungen während der normalen Öffnungstage jeweils am Freitag um 19 Uhr, am Samstag und Sonntag um 16 Uhr bieten zwei einfache physikalische Rad-Experimente und historische Hintergründe für manche Lösungen und Irrwege im Fahrrad-Design.

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Adresse

Gemeinde
Museum
Absam

Im alten Kirchenwirt
Walburga-Schindl-Straße 31
A – 6067 Absam

Öffnungszeiten

FR 18 – 21 Uhr
SA 14 – 18 Uhr
SO 14 – 18 Uhr

Eintritt frei


Führungen

0 676 / 84 05 32 700

Kontakt

Matthias Breit email